Produktfotografie: der richtige Umgang mit Spiegelungen und Transparenzen

Spiegelungen und Transparenzen gehören zu den größten Herausforderungen beim Fotografieren von Produkten. Jedes Material spiegelt das Licht unterschiedlich. Schwarzes Plastik spiegelt Licht beispielsweise anders als silbernes Metall.


Spiegelungen und Transparenzen je nach Material

Die drei Kategorien sind:

Materialien lassen sich je nach Reaktion auf Lichteinstrahlung in drei Kategorien einordnen: Materialien, die das Licht absorbieren; Materialien, die das Licht reflektieren und durchsichtige; lichtdurchlässige Materialien.

Ein simpler Test zum Verständnis von Spiegelungen und Transparenzen

Halten Sie die Fernbedienung Ihres Fernsehers ins Licht. Tun Sie dasselbe mit einem Spiegel. Sie werden den Unterschied sehen! Das schwarze Plastik Ihrer Fernbedienung absorbiert das Licht. Der Spiegel hingegen spiegelt das Licht und wirft es zurück. Nehmen Sie nun eine Plastik-Wasserflasche und eine Lichtquelle zur Hand. Leuchten Sie die Flasche an. Das Licht strahlt durch die Flasche hindurch und erreicht Ihre Hand. Die Flasche hält das Licht nicht auf. Es scheint einfach durch.

Lösungen zum Fotografieren von Spiegelungen und Transparenzen

Beispiel 1

Fotografen müssen lernen, mit verschiedenen Materialien umzugehen. So lassen sich unvorteilhafte Spiegelungen und Transparenzen auf den Produkten vermeiden. Wir empfehlen Ihnen die Verwendung von kleinen schwarzen oder weißen Leichtstoffplatten oder Kartons. Mit diesen können Sie das Licht brechen oder reflektieren. So sorgen Sie dafür, dass das Licht genau die Stelle trifft, die Sie besonders hervorheben möchten.

1 – Vor weißem Hintergrund neutral fotografieren: Der Gegenstand weist fast keine Tiefe auf.

Einen Gegenstand vor weißem Hintergrund fotografieren

2 – Je nach Weißstufe der Platten und Positionierung können Sie dem Parfumflacon Tiefe verleihen.

Kosmetika vor weißem Hintergrund fotografieren

3 – Schwarz verleiht dem Gegenstand mehr Tiefe und hebt manche Partien vor weißem Hintergrund zusätzlich hervor.

Durchsichtige Flaschen im Fotostudio selbst fotografieren

Das Beispiel zeigt: Der Deckel (oder Verschluss) des Parfumflacons besteht aus zwei Materialien,. Diese reagieren unterschiedlich auf Licht. Der obere Teil besteht aus Metall (welches das Licht spiegelt). Der untere Teil hingegen besteht aus hellgrünem Papier mit Prägedruck (welches das Licht absorbiert).

Metall führt zu Spiegelungen.

Ohne Karton verschwindet der Verschluss fast im Hintergrund des Fotostudios. Es ist kaum zu sehen. Die Form soll aber klar zu erkennen sein. Dafür braucht es nicht viel. Folgen Sie den Schritten wie auf Bild 2 und Bild 3 dargestellt. Brechen Sie hierfür das Licht zwischen Metall und Lichtquelle mithilfe eines schwarzen oder weißen Kartons (bzw. Leichtstoffplatte oder Papier). Je nach Weißstufe bzw. Schwarzstufe des Kartons erhalten Sie eine mehr oder weniger starke Spiegelung des Deckels. Für ein noch sanfteres Ergebnis können Sie wahlweise auch Transparentpapier verwenden. Ein Karton verändert die gesamte Flasche. Das Glas des Flakons mit seinen Spiegelungen und Transparenzen wirkt auf Bild 1 und Bild 3 unterschiedlich. Auf Bild 3 sind die Kanten des Glases und die Spiegelungen dunkler und besser zu erkennen. Sie sollten also auf die richtige Platzierung des Kartons achten! Sie können den Gegenstand auch auf mehrere Fotos aufteilen (hierzu unten mehr).

Beispiel 2

 Produkte vor reinweißem Hintergrund fotografieren

Packshot-Fotografie von Kosmetika im FotostudioSchwarze oder weiße Kartons beeinflussen Spiegelungen und Transparenzen nicht nur, indem das Licht gebrochen wird. Es lassen sich auch neue Spiegelungen erzeuge. 

Wenn Sie eine durchsichtige Flasche vor weißem Hintergrund fotografieren möchten, ist der Einsatz von zusätzlichen Kartons sehr zu empfehlen. Spiegelungen und Transparenzen sind immer eine Herausforderung in der Produkt-Fotografie. Aber durchsichtige oder weiße Gegenstände vor weißem Hintergrund zu fotografieren erfordert besonders viel Geschick!

Auf den Beispielbildern erkennen Sie den Unterschied. Die Verwendung eines schwarzes Kartons macht die Konturen der Flasche klarer sichtbar. Wenn Sie die Ränder der Flasche hervorheben, sieht diese runder aus. Sie erhalten ein viel realitätsnäheres Foto.
Sie wollen beispielsweise eine durchsichtige Weißweinflasche fotografieren? Dann sollten Sie unbedingt eine Beleuchtung wählen, die Flaschenhals und -Schulter klar erkennbar machen. Wenn die Kartons bzw. das Transparentpapier richtig platziert werden, werden etwa Nuten und Falzen sichtbar. Auch der Flaschenboden kann gezeigt werden. Dies sind Qualitätsmerkmale Ihres Produkts. Sie sollten also unbedingt in Ihren Darstellungen gut erkennbar sein.

Wie kann ich in der Postproduktion mit Spiegelungen und Transparenzen umgehen?

Beim Fotografieren von Stillleben ist es hilfreich, sich mit der einen oder anderen Bildbearbeitungssoftware auszukennen. Die meisten Produkte – wie etwa Parfumflakons, Brillen, Ringe und Packaging von Kosmetika – setzen sich nämlich aus unterschiedlichen Materialien zusammen. Diese reagieren (wie oben gezeigt) unterschiedlich auf Licht und weisen verschiedene Spiegelungen und Transparenzen auf.

Zurück zu unserem Beispiel…

Werfen Sie noch einmal einen Blick auf unsere Parfumflasche von Prada. Sie sehen, dass für das Packaging 3 unterschiedliche Materialien verwendet wurden:

Der Deckel (oder Verschluss) besteht aus zwei Materialien: spiegelndes, silbernes Metall und hellgrünen Papier mit Prägedruck. Das mit dem Markennamen versehene Etikett ist ebenfalls aus silbernen Metall,. Es wurde zusätzlich mit einer Prägung versehen. Der Flaschenkörper besteht aus Glas. Auch dieser ist, wie bereits der Deckel, zum Teil mit grünem Papier mit Prägedruck versehen. Auf unseren Beispielbildern ist die Flasche leer. Eigentlich beinhaltet sie hellgrünes Parfüm. Auch die Farbe des Inhalts sollte durch die Beleuchtung nicht verfälscht werden.

Viele Produkt-Fotografen fotografieren ein und dasselbe Produkt mehrmals unter unterschiedlichen Lichtbedingungen. So können Sie besser auf die Besonderheiten jedes einzelnen Materials eingehen. Dies garantiert ihnen hochwertige Bilder. In diesen kommen die besonderen Eigenschaften, die Form und das Aussehen der fotografierten Objekte optimal zur Geltung.

Glasgegenstände im Fotostudio richtig beleuchten

Beispiel: Sie möchten ein gläsernes Marmeladenglas fotografieren. Sie benötigen für den metallischen Deckel eine besondere Beleuchtung. Der Glasbehälter sowie das Etikett bedürfen wiederum anderer Beleuchtung. Die entstehenden Spiegelungen und Transparenzen variieren je nach verwendeten Materialien. Das Etikett kann aus mattem oder glänzendem Papier oder anderen Materialien bestehen. Schießen Sie zunächst drei Fotos mit jeweils idealer Beleuchtung. Dann können Sie mit einer Bildbearbeitungssoftware die einzelnen unterschiedlich beleuchteten Partien des Gegenstands ausschneiden. In der Postproduktion können Sie sie dann zu einem einzigen Bild zusammensetzen. So erhalten Sie ein einheitliches, klar erkennbares und optimal beleuchtetes Foto des Produkts.

Der beste Tipps: Einfach ausprobieren und Spaß haben!

Sie haben keine Zeit, um sich mit der Bildbearbeitungssoftware vertraut zu machen? Oder Sie arbeiten allgemein nur ungern mit Software? Machen Sie dann mehrere Testversuche. Überlegen Sie, wie sie die wichtigsten Eigenschaften Ihres Produkts am besten herausstechen lassen können. Verwenden Sie diffuses Licht, um die Anzahl der ungewollten Spiegelungen zu reduzieren. Mit etwas Übungen wird es Ihnen einfacher fallen, mit Spiegelungen und Transparenzen umzugehen.
Wir wünschen Ihnen für Ihr Fotoshooting viel Erfolg. Vergessen Sie die Testversuche nicht. Nur mit Tests können Sie lernen und unterschiedliches ausprobieren. Auch die Freude darf beim Fotografieren nicht zu kurz kommen – sie sorgt immer für die schönsten Bilder!

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